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Spiegel-Schule testet mündliche Matheprüfung statt Klassenarbeit

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So wird eine fundamentale Formel der Mathematik zum Begreifen anschaulich: Im Projekt von Mathelehrer Marcel Untiet haben Dimitri (von links), Alicia, Mikka, Julienne, Elyas und Denise, wie alle Neuntklässler, zum „Satz des Pythagoras“ ein Schaubild für die mündliche Prüfung anstelle der schriftlichen Arbeit vorbereitet.

 

Eine mündliche Prüfung in Mathe müssen Schüler in der Regel nur meistern, wenn’s für die Versetzung nicht reicht und diese Nachprüfung Rettung verspricht. Wernes Sekundarschule hat das geändert. In einem Pilotprojekt wurde in den neunten Klassen eine schriftliche Arbeit durch eine mündliche Prüfung ersetzt, um das Lernziel mal anders zu kontrollieren.
„Hefte raus, Klassenarbeit!“ Der Satz hat schon Generationen von Schülern das Blut in den Adern gefrieren lassen. Und dann noch Mathe, das Zahlen- und Formelwerks hat bekanntlich nur bedingt das Zeug zum Lieblingsfach. Aber darüber lässt sich reden, an der Marga-Spiegel-Sekundarschule (MSS) neuerdings sogar ganz offiziell und anstelle der gefürchteten Mathearbeit: Für den Neuner-Jahrgang gab’s gerade die erste mündliche Matheprüfung.
Das lief prima, das Pilotprojekt soll nun Schule machen. Für die gut 180 Jugendlichen im vorletzten Jahr vor der Zentralen Abschlussprüfung steht laut Lehrplan der „Satz des Pythagoras“ an. (Wer sich nicht gleich erinnert: Das ist diese Sache mit den rechtwinkligen Dreiecken und a² + b² = c²).


Versuch an der Spiegel-Schule sei einzigartig

Das wäre Thema der dritten und letzten Arbeit im ersten Halbjahr gewesen. Doch Lehrer Marcel Untiet hatte da eine bessere Idee: Warum nicht mal eine mündliche Prüfung wie etwa im Sprachunterricht? Klingt einfach, „aber da steckt viel Arbeit drin“, berichtet Untiet. Vorlagen gebe es keine, der Versuch an der Spiegel-Schule sei einzigartig.

So musste eine Arbeitsgruppe der Fachschaft Mathe ein Aufgabengerüst entwerfen, das den Differenzierungsanforderungen der Grund- und Erweiterungskurse genügt, gerecht und nachvollziehbar bewertet werden kann und mehr. „Der Lehrplan sieht ausdrücklich vor, in Prüfungen Kommunikation und Argumentation als Kompetenz zu fördern.“

Aber ist es nicht schwieriger, einzeln in eine mündliche Prüfung zu gehen, allein vor dem Lehrer zu sitzen? Die sechs Schüler in unserem Gespräch schütteln mit dem Kopf. „Das ist viel besser. Wenn du nicht weiter weißt, kannst du immer noch improvisieren. In der Arbeit geht das nicht“, sagt Mikka. „Man ist viel besser vorbereitet und so weißt du genau, was du sagen willst“, lautet Alicias Erfahrung.

Denn mit Vorbereitung des Themas haben die Schüler Anfang Dezember eine Teilaufgabe erhalten, die in der Prüfung zu präsentieren war: Erläutere den Satz des Pythagoras und führe den mathematischen Beweis dazu. „Dazu haben sich die Schüler echt etwas einfallen lassen, wir haben mathematische und geometrische Ansätze, einige haben sogar Power-Point-Präsentationen erstellt“, berichtet Untiet, der erkennbar stolz auf seine Schützlinge von der 9 d ist.


„Hefte zu, mündliche Prüfung!“ auch im nächsten Jahr

Die meisten haben Diagramme auf Papptafeln erstellt. Das machte 40 Prozent der Bewertung aus, die übrigen Punkte gab’s für die Lösung von Aufgaben, die im Unterricht behandelt und in der Prüfung aus einem Pool gezogen wurden, damit vor der Tür keiner was ausplaudern kann. Im E-Kurs kam eine Transferaufgabe hinzu. „Ich fand’s gut, dass wir gleich den Bewertungsbogen mit der Note bekommen haben“, berichtet Denise. Da entfalle das bange Warten auf die Rückgabe der Klassenarbeit.

Alicia und Dimitri haben Pluspunkte ausgemacht, die Mathelehrer Untiet nicht auf der Rechnung hatte. „In einer Arbeit wird es immer unruhiger, wenn die Ersten fertig sind, da kann man sich schlecht konzentrieren“, sagt Dimitri – und Alicia ergänzt: „Wenn die Ersten fertig sind und rausgehen, wächst bei mir der Druck: Warum bin ich noch nicht fertig?“

Dass hier keine Ablenkung im Spiel, die Prüfung aber auch nicht zu leicht war, scheint der Notenspiegel zu belegen: „Die Schüler haben ihre Noten meist gehalten oder sind etwas besser geworden“, so Untiet. In einem Jahr sind also die nächsten Neuner an der Reihe: „Hefte zu, mündliche Prüfung!“

BISS

KAoA

 

 

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